Line6 und VOX bauen gemeinsam die neue Generation des Modellingamps

Angesichts der starken Konkurrenz von Roland/BOSS, Hughes&Kettner, Zoom und diversen anderen, haben sich wie jetzt auf der Frankfurter Musikmesse bekannt wurde, Line6 und VOX ein gemeinsames Projekt gestartet, welches sich jetzt schon im Betastadium befindet und voraussichtlich zum Wintergeschäft in die Läden kommen könnte.

Auf der NAMM noch als Gerücht belächelt, wurde es bei der Frankfurter Messe einer ausgewählten Gruppe an Journalisten vorgestellt. Der Verstärker, der bei Line6 den internen Namen Vetta III und bei VOX intern als Valvetronix XXX gehandhabt wird, vereint nicht nur die Technologien der jeweiligen Referenzmodelle beider Firmen, sondern stellt eine konsequente Weiterentwicklung dieser Modelle unter einem Hut dar.

Line6 musste erst kürzlich den Verrußt von einigen hochrangigen Mitarbeitern hinnehmen, welche die Firma Damage Control gründeten. Diese machen nun Line6 Konkurrenz mit den unter Gitarristen heißbegehrten Gitarrenverzerrern Womanizer und Demonizer und bauen weiter ihre Produktlinie auf Effekte aus, wo sie empfindlich den Bodentreterreihe von Line6 Konkurrenz machen werden. Die bisherigen beiden Geräte basieren mit ihren DSP-Schaltkreisen nicht nur auf der Line6 typischen Grundlage, sondern das ganze wird zusätzlich mit zwei Röhren befeuert, die einen natürlichen Klang erzeugen.

VOX selber hat in seinen Geräten schon eine Röhre in der sogenannten Valve Reactor-Schaltung eingebaut, hinkt jedoch in der DSP-Technologie gegenüber Line6 zurück, was sich durch eine erheblich kleinere Anzahl an Effekten und Verstärkern bemerkbar macht und sich auch gegenüber der Konkurrenz von Roland/BOSS nicht immer positiv auswirkt.

Durch den Zusammenschluss der beiden Firmen für dieses Projekt ist nun ein Verstärker herausgekommen, welcher seinesgleichen sucht und jeden Gitarristen zufrieden stellen müsste. Waren es beim Vetta noch zwei DSP-Chips, wurden in den neuem Verstärker ganze vier DSP-Chips eingebaut, die nicht nur die nötige Rechenkapazität sicherstellen, sondern auch bei jedem Patchwechsel garantieren, dass alle eingesetzten Effekte, sauber ausklingen. Um die Endstufen- und Boxenreaktion nicht nur digital getreuer nachzubilden, sondern die immer kritisierte, sterile Wiedergabe zu vermeiden, wurden nun sage und ganze vier Vorstufenröhren eingebaut, die jegliche Täuschung perfekt machen.

Wegen der vier DSP-Chips und der vier Röhren, wird der Verstärker bei der Presse schon als der 4×4 genannt. Mal schauen, ob Line6 und VOX, diesen Namen übernehmen werden.

Verstärkermodelle und Effekte wurden gegenüber dem Vetta verdreifacht wobei das Bimodelling, also das Mischen zweier Verstärker miteinander, beibehalten wurde und ebenso wie beim Konkurrenzprodukt GT-8 und GT-Pro aus dem Hause BOSS, nun die Möglichkeit besteht, diese auf unterschiedliche Kanäle zu legen oder anschlagdynamisch zu beeinflussen.

Vereint bzw. verbessert wurden hier auch die Bedienung des Verstärkers. Nicht nur, dass man auf die bei Gitarristen beliebten Chickenheadpotis des VOX zurückgreift, gleichzeitig hat man sich auch des Displaykonzeptes von Line6 bedient und man greift hier auf die von VOX’s Muttergesellschaft KORG schon erprobten LCD-Touchscreens, ihrer Triton-Extreme Keyboard Workstations zurück. Nun lassen sich Effekte problemlos über den üppigen Touchscreen schnell und sicher auswählen, Effektverknüpfungen zielesicher realisieren, Parameter einfach und bequem verändern und hat auf dem üppigen Display alles auf einen Blick parat.

KORG hat hier nicht nur das Display beigetragen, sondern nun wurde dem Verstärker, wie schon bei Keyboards üblich, ein Memoryslot eingebaut. Hier können Sounds und komplette Konfigurationen abgespeichert werden und kein Gitarrist braucht bei einem Liveauftritt mehr Angst zu haben, dass seine Patches durch irgentwelche Pannen gelöscht werden. Memorycard rein, auslesen und schon hat man das Backup eingespielt. So wird KORG selber aber auch reine ROM-Cards anbieten, mit speziell auf die Gitarre zugeschnittenen Synthiesounds. Wollte man gute Klänge dieser Art mit einer Gitarre produzieren, musste man sich fern von Line6 und VOX umschauen. Nun haben hier beide Firmen den Weg gefunden, auch in diesem Segment, die Konkurrenz in die Schranken zu verweißen.

Weiterhin kündigte man an hier Lizensrechte für das spezielle Slotsystem an Firmen zu vergeben. Denn wie schon unter Line6 Benutztern bekannt ist, wurden in unterschiedlichen Abständen immer wieder Updates für ihre Systeme angeboten, die nicht nur verbesserte Verstärkermodelle und Effekte hervorbrachten, sondern auch zusätzliche Verstärkermodelle usw. Bei dem neuem Modell sind gleich 30 Verstärker und 120 Effektsektionen für Entwickler frei programmierbar. So können Fremdfirmen ihre eigenen Modelle von Verstärkern und Effekten für dieses System programmieren. Native Instruments, die sich ihrerseits schon mit der Software Guitar Rig, erfolgreich am Markt behauptet hat, steht laut VOX in Verhandlungen und möchte ihre Version des Guitar Rig auf den neuen Verstärker herausbringen. Leider war zu Preisen, sowohl der KORG Synthiemodelle, wie auch zu einer möglichen Guitar-Rig Version auf diesen Verstärker, noch nichts zu hören.

Schon im deutschem Line6-Forum wurde bestätigt, dass hier der ein oder andere Betatester den neuen Vetta 3 wohl seit längerem auf Herz und Nieren prüft. Es dürfte auch interessant werden, wie angesichts dieser Zusammenarbeit, die Konkurrenz darauf reagiert, bzw. ob es dort nicht schon auch die ein oder andere Zusammenarbeit gibt. Zumindest könnte es sich für die meisten Gitarristen lohnen, den Kauf eines neuen Gitarrenverstärkers, bis in die Weihnachtszeit zu verschieben.

Leider gibt es bis jetzt keine Angaben zu Preisen und wie und welches Zubehör, wie Fußleisten von Line6 oder Korg mit diesem Verstärker benutzt werden können. Die auf der Pressevorführung anwesenden Journalisten waren von dem Teil jedoch hellauf begeistert und sprachen ihm eine perfekte Reproduktion eines echten Röhrenverstärkers nach. Für uns Normalsterblichen, bleiben da jedoch nur diverse Foren, wo sich ab und zu mal ein Entwickler tummelt und aus dem Nähkästchen plaudert, so wie Previews bei Gitarre&Bass u.ä.

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